Östringen/Bruchsal - Seit Wochen ist Schwitzen angesagt. Ein heißer Tag folgt auf den anderen und die Nächte kühlen nicht merklich ab. Ein Glückspilz, wer in Heim und am Arbeitsplatz eine Klimaanlage zur Verfügung hat, ein Pechvogel, wer gerade eine sucht. Denn die mobilen Geräte, die es ab 250 Euro in den Elektromärkten gibt, sind weithin vergriffen. Und die fest eingebauten Klimaanlagen dagegen sind derzeit so stark nachgefragt, dass die Kundinnen und Kunden fast immer mit langen Lieferzeiten rechnen müssen.
Doch welche Geräte gibt es überhaupt auf dem Markt? Wo liegen ihre Stärken und Schwächen? Und worauf sollte man beim Kauf achten? Wir haben uns bei Fachleuten erkundigt. „Wir hatten in diesem Jahr bei den Klimaanlagen eine Nachfrage wie nie zuvor“, sagt Matthias Erck. Er ist Geschäftsführer der Sparte Klima und Lüftung beim Östringer Haustechnik-Unternehmen Essenpreis. Rund 200 Klimaanlagen haben er und seine zehn Mitarbeiter in diesem Jahr bereits installiert, im Vorjahr waren es rund 150. „Wer heute anfragt, kann mit einer Montage ab Mitte September rechnen“, sagt Erck.
Klimaanlagen lassen sich auch zum Heizen nutzen
„Eine Klimaanlage ist eine Luft-Luft-Wärmepumpe, die über ein Außengerät und ein oder mehrere Innengeräte arbeitet“, erklärt Heiko Schäfer, Projektleiter bei Essenpreis und Vorstandsmitglied der Innung für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik Karlsruhe-Bruchsal. Die Innengeräte gebe es als Deckengeräte, Wandgeräte oder Truhen, die wie Heizkörper aussehen. Pro zehn Quadratmeter Raumgröße benötige man ein Kilowatt Kälteleistung, so die Faustformel. Für die Verbindung von außen nach innen ist ein Wanddurchbruch mit einem Durchmesser von 50 Millimetern nötig.
Knapp 4.000 Euro sind laut Schäfer für ein Monosplitgerät – ein Außen- und ein Innengerät – inklusive Montage und separater Stromabsicherung zu berappen. Bei mehreren Innengeräten wird es entsprechend teurer. Mobile Standgeräte, die es für deutlich weniger Geld im Elektrofachhandel gibt, hält der Klimaexperte für eine Notlösung. „Die haben auch ihre Berechtigung, brauchen aber auch eine Öffnung für die Abluft, die dann durch die Wand oder einen Fensterrahmen nach außen geführt wird“, erläutert der Innungsvertreter. Die Geräte seien überdies deutlich lauter.
Besonders interessant sei die Anschaffung einer Klimaanlage, wenn sie auch zum Heizen verwendet werden kann, verrät Schäfer, insbesondere in Verbindung mit einer PV-Anlage. Dann lasse sich das Haus mit der Wärmepumpe und der Fußbodenheizung nicht nur aufwärmen, sondern auch kühlen. Wenn bestimmte Vorgaben erfüllt sind, gibt es dafür auch Fördermöglichkeiten. Die gelten allerdings nur, wenn Produkte europäischer Hersteller verwendet werden. Essenpreis verbaut jedoch in der Regel Anlagen der asiatischen Hersteller Mitsubishi, Daikin und LG. Beim Kauf einer Klimaanlage rät der Fachmann, darauf zu achten, dass es auch später einen Ansprechpartner und einen Notfallservice gibt, der am Wochenende erreichbar sei. Dies sei bei so manchen unseriösen Angeboten im Internet oft nicht der Fall.
Welche Vorteile fest installierte Geräte haben
Auch bei der Firma Siegel in Bruchsal ist die Nachfrage nach Klimageräten seit Wochen ungebrochen. „Bei Multisplitgeräten beträgt die Lieferzeit derzeit acht bis zwölf Wochen“, sagt Juniorchef Johannes Siegel, ein Enkel des Firmengründers Lorenz Siegel, der im Unternehmen insbesondere für die Beratung zuständig ist. Er erläutert, worauf es beim Kauf einer Klimaanlage ankommt.
Zunächst müsse man sich die Situation vor Ort anschauen: Wie groß ist der Raum, welche Leistungsstufe wird benötigt? Reichen 2,6 Kilowatt oder braucht man 3,5 oder fünf Kilowatt für mehrere Innengeräte? Wo kann man das Außengerät platzieren, wo das Innengerät, wie kann die Leitungen geführt werden? Einfache Singlesplit-Geräte gibt es bei der Firma Siegel für rund 2.500 Euro fertig installiert, bei Multisplit-Anlagen, die mehrere Innengeräte bedienen, wird es entsprechend teurer.
Förderung gibt es nur unter Voraussetzungen
„Wir arbeiten ausschließlich mit Bosch-Geräten“, erklärt der SHK-Anlagenmechaniker (Sanitär, Heizung, Klima) mit Meistertitel. Die Geräte seien etwas teurer als vergleichbare asiatische Modelle, doch man habe mit diesen in Europa gefertigten Geräten bislang die besten Erfahrungen gemacht. Für die Montage brauche seine Firma nur ein bis zwei Tage, denn man verfüge über mehrere Teams. Sobald das Gerät geliefert ist, könne der Einbau schnell erfolgen.
Mobile Geräte hält Johannes Siegel in Mietwohnungen für eine gute Lösung, insbesondere wenn man schnell und günstig die Hitze abmildern wolle. Im Übrigen erlaube eine neue Rechtslage auch Mietern, auf ihrem Balkon eine feste Klimaanlage zu installieren. Wer sich für ein mobiles Gerät entscheide, muss laut Siegel darauf achten, dass der Kondensat-Tank nicht überläuft, sonst drohe ein Wasserschaden. Bei einer fest installierten Anlage kommen im laufenden Betrieb noch die Wartungskosten hinzu, einmal im Jahr sollte ein Kundendienst gemacht werden, bei dem die Geräte und die Filter gereinigt und der Kältekreislauf überprüft wird. Rund 110 Euro koste das bei der Firma Siegel.
Ein Außengerät (Foto) und ein- oder mehrere Innengeräte sorgen in den entsprechenden Räumen für ein gutes Klima. Johannes Siegel, Juniorchef des gleichnamigen Bruchsaler Traditionsunternehmens, berät die Kunden vor Ort.
Quelle:
17.08.2026, Badische Neueste Nachrichten
https://bnn.de/kraichgau/klimageraete-im-kraichgau-experten-geben-tipps-fuer-den-kauf
Foto/Text: Hansjörg Ebert
















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